Warum sind Sie nach Australien gekommen?
Ich traf Australier in Kalifornien und sie waren die einzigen, die von den Stränden nicht beeindruckt waren. Außerdem waren sie nette Leute, so dachte ich mir: Australien muss schön sein.
Was gefällt Ihnen an Australien?
Ich mag es, wie freundlich die Leute miteinander umgehen. Ich liebe die Landschaft, das Wetter und freue mich jedes Mal, wenn Kakadus, Papageien oder Pelikane vorbei fliegen. Wir haben eine Wohnung mit Aussicht, ich fühle mich zu Hause und bin dankbar, dass ich meine Permanent Residency bekommen habe.
Vermissen Sie Deutschland?
Ich möchte gern mehr Zeit mit meinen Eltern und Freunden verbringen. Vor allem geht es meinem Vater zur Zeit nicht so gut, da wäre ich gern bei ihm. Wir telefonieren oft - genauso wie mit meiner Mutter. Mit Freunden emaile ich meistens. Das geht am besten und wenn wir uns wieder sehen, ist es so, als ob kaum Zeit dazwischen lag.
Warum veröffentlichen Sie Ihre Tagebücher?
Irgendwie ist das so in mir. Eine innere Stimme sagt mir, ich soll das tun. Es ist viel passiert und das möchte ich gern herauslassen und schauen, was Leser/innen dazu sagen. Manchmal stehe ich da und frage mich, was die beste Lösung ist. Und dann habe ich das Gefühl, jemand sieht es ganz schnell und sagt: Sonja, das ist ganz einfach, du musst einfach nur dies oder das tun.
Schreiben Sie jeden Tag?
Momentan schreibe ich nicht mehr. Habe zuletzt im April nach der Neuseelandreise geschrieben, dann einige Zeilen auf dem Rückflug von Deutschland nach Australien. Ich probiere dies gerade als eine neue Lebensart aus. Vorher habe ich alle paar Tage geschrieben, oft stundenlang, manchmal auch mehrmals am Tag.
Warum verlegen Sie Ihre Bücher selbst?
Als ich Writers produzierte, sah ich, wie viele Autoren/innen ihre Manuskripte bei Verlagen einreichen und wie viele davon angenommen werden. Die Firma BookSurge (eine Amazon.com Firma) sponsorte Writers für drei Monate und im Gegenzug konnte ich mein erstes Buch bei ihnen verlegen. Das war eine gute Erfahrung und so machte ich damit weiter.
Wie kamen Sie auf die Idee, Writers zu produzieren?
Ich hatte lange die Idee, eine Zeitschrift für autobiografische Texte anzubieten. Eines Tages - mein Partner lag krank im Bett - hatte ich die Inspiration, wie die Struktur sein sollte. Ich nahm einen Notizblock und Stift und schrieb es auf. Kurz danach erschien das erste Heft und von dort kamen die Ausgaben monatlich.
Warum haben Sie die Produktion von Writers eingestellt?
Ich produzierte Writers für zehn Monate in Print. Es war eine tolle Erfahrung. Nebenbei arbeitete ich Vollzeit als Projektmanager im Logistik-Bereich plus morgens und abends und am Wochenende an der Zeitschrift. Dann kam das Angebot von der ABC – es sah nach einem Traumjob aus – und ich entschied mich, Writers dafür aufzugeben.
Airlie Beach: Der Great Walk II
Wie haben Sie Peter FitzSimons kennen gelernt?
Ich sah seinen Auftritt beim Sydney Writers’ Festival in 2005, ging danach zu ihm und fragte ihn nach einem Interview für Writers. Er stimmte zu und fragte mich, wie gut mein Deutsch sei. Dann sprach er von seinem Buch Tobruk, an dem er arbeitete und wir tauschten Karten aus. So fing unsere Zusammenarbeit an. Danach arbeitete ich für Peter FitzSimons an seinem Buch über Les Darcy (1895-1917), einen australischen Boxer, der nicht in den Krieg ziehen, sondern lieber boxen wollte. Und nun bin ich bei seiner Arbeit an seinem neuen Buch über einen australischen Piloten, Sir Charles Kingsford Smith, wieder mit dabei.
Warum meinen Sie, dass Ihre Bücher interessant sind?
Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen. Ich auch. Ich habe über die Jahre Tagebuch geschrieben und möchte das Erlebte gern mitteilen. Ich biete die Tagebücher nahezu als eine 1:1 Abschrift an. Leser/innen finden mich mutig, diese Informationen zu teilen. Ich denke mir: ist alles menschlich.
August 2008
